Segeln rund um Ibiza war für uns keine vorbereitete Route, die wir nur abzuhaken hatten. Im Mai und Juni 2023 lebten wir zwei Monate an Bord von Folie A2, umrundeten die Insel mehrfach und wechselten von Bucht zu Bucht. Manchmal blieben wir, weil alles passte. Manchmal gingen wir weiter, weil der angekündigte Schwell eine andere Seite der Insel vernünftiger machte.
Dieses zeitlich eingeordnete Logbuch gehört zur Erfahrung hinter den heutigen Segelerlebnissen von Aurelia Blue. Längere Geschichten von Sarah und Christian erscheinen bei Aurelia Blue Publishing.
Inhalt
Genau darin liegt für uns die große Stärke Ibizas als Segelrevier: Die Insel ist überschaubar. Dreht der Wind oder läuft eine Bucht unruhig, ist eine geschütztere Küste nicht mehrere Tagesetappen entfernt. Mit Folie A2 konnten wir innerhalb eines Tages auf die andere Inselseite wechseln. Das macht keine Wettervorhersage überflüssig – aber es schafft Möglichkeiten.
Ibiza war für uns keine einzelne Inselrunde. Es waren zwei Monate voller kleiner Entscheidungen: bleiben, weiterfahren oder für ein paar Tage an einen Ort zurückkehren, der sich gerade richtig anfühlte.
Segeln rund um Ibiza: mehrere Runden statt einer festen Route
Unsere Ankerplätze ergaben keine lineare Reise mit eindeutigem Start- und Endpunkt. Wir fuhren mehrere Runden, griffen bekannte Buchten erneut auf und wählten den nächsten Platz nach Wetter, Schwell und dem, worauf wir gerade Lust hatten.
Zu unseren bestätigten Stopps gehörten Port de las Caletas, Cala de Sant Vicent, Cala Punta Grossa, Cala del Lleó, Cala de Portinatx, Cala Xarraca, Caló d’Es Porcs, Xamena und Cala Albarca im Norden und Nordosten. Hinzu kamen Cala Llonga und Cala Roja an der Ostküste sowie Embarcaderos Cala Tarida im Westen. In Sant Antoni lagen wir sowohl bei Coves Blanques als auch im Club Nàutic Sant Antoni de Portmany.

Diese Liste ist keine Empfehlung, die man einfach nachfahren sollte. Schutz und Komfort einer Bucht hängen von Wind, Schwell, Saison und dem eigenen Boot ab. Sie zeigt vielmehr, wie wir Ibiza genutzt haben: nicht als einmaligen Rundtörn, sondern als kompaktes Revier, in dem wir uns über Wochen bewegen konnten.
Portinatx: klein, geschützt und genau richtig

Von allen Buchten ist uns Cala de Portinatx am stärksten geblieben. Sie ist klein, sehr gut geschützt und das Wasser leuchtet in jenem Blau, das auf Bildern schnell übertrieben wirkt – bis man selbst dort vor Anker liegt.
Für uns stimmte außerdem das Verhältnis zwischen Ruhe und Leben an Land. Es gab nette kleine Restaurants, ohne dass die Bucht ihre entspannte Atmosphäre verlor. Nach Tagen mit wechselndem Schwell war Portinatx ein Platz, an dem wir nicht sofort wieder über den nächsten Wetterwechsel nachdachten. Wir konnten das Beiboot nehmen, etwas essen gehen und danach in eine ruhige Bucht zurückkehren.
Das ist der Ort, an den wir bei der Frage nach unserer schönsten Bucht zuerst denken.
Wenn Schwell wichtiger wird als der Reiseplan
Natürlich waren nicht alle Nächte ruhig. Schwell, Wind und unruhige Buchten gehörten auch zu diesen zwei Monaten. Wir versuchten nicht, einen einmal gefassten Plan gegen die Bedingungen durchzusetzen. Wurde Schwell angekündigt, wechselten wir rechtzeitig auf eine besser geschützte Seite.
Ibiza macht solche Entscheidungen vergleichsweise einfach. Die Entfernungen bleiben handhabbar, und eine Änderung bedeutet nicht automatisch, dass der gesamte Törn scheitert. Aus einem geplanten längeren Aufenthalt wurden manchmal nur wenige Stunden; aus einer Ausweichbucht entstanden dagegen Tage, an die wir uns bis heute erinnern.
Für uns war das eine der wertvollsten Erfahrungen dieser Reise: Flexibilität ist kein Notbehelf. Rund um Ibiza ist sie Teil eines guten Plans.
Eivissa: eine Nacht, 460 Euro und eine müde Kreditkarte


Die meiste Zeit lagen wir in Buchten, dazwischen kamen wir immer wieder nach Sant Antoni. Eine Nacht in der Marina Ibiza in Eivissa zeigte jedoch, wie groß der Preisunterschied zwischen Ankern und einem Liegeplatz sein kann.

Im Juni 2023 bezahlten wir für Folie A2 460 Euro für eine Nacht. Für Juli wären 640 Euro fällig geworden. Das sind keine allgemeinen Tarife für jedes Boot, sondern die Beträge für unsere Yacht zu diesem Zeitpunkt.
Der Marinabesuch hatte trotzdem einen Vorteil: Eivissa lag direkt vor uns. Wir gingen hinauf nach Dalt Vila, durch die Gassen der befestigten Altstadt bis zur Catedral d’Eivissa. Zwischen den historischen Mauern liegen kleine Läden, Boutiquen und Restaurants, bei denen man nicht einfach vorbeigeht, wenn man Zeit mitgebracht hat.
Während Chris’ Schwester die Einkaufsmöglichkeiten der Altstadt gründlich erkundete, summierten sich zur Shoppingtour auch noch die 460 Euro für den Liegeplatz. Irgendwann gab die Kreditkarte auf – Ibiza hatte an diesem Tag gewonnen.
Dalt Vila blieb dennoch mehr als eine teure Landpartie. Rund um die Kathedrale, in den kleinen Restaurants und hinter den unscheinbaren Türen zeigt sich eine andere Seite der Insel: geschichtsträchtig, genussvoll und weit entfernt von der Vorstellung, Ibiza bestehe nur aus Stränden und großen Clubs.
Preisaufnahme, nicht Preisversprechen
Die Zahlen haben sich weiter verändert. Für die Hauptsaison 2026 erhielten wir für Folie A2 in einem Newsletter der Marina Ibiza einen Preis von 820 Euro pro Nacht. Sant Antoni lag für unser Boot 2026 ungefähr bei 250 Euro pro Nacht und war damit deutlich günstiger – aber noch immer auf Ibiza-Niveau.
Diese Beträge sind bewusst mit dem jeweiligen Jahr genannt. Marinapreise ändern sich nach Saison, Bootsgröße, Verfügbarkeit und Anbieter; sie eignen sich nicht als dauerhafte Preisliste.
Formentera: viel Schönheit, deutlich weniger Ablenkung

Formentera fühlte sich anders an. Die langen Sandstrände und das klare Wasser sind spektakulär, gleichzeitig fanden wir dort wesentlich weniger Infrastruktur. Wer große DJs, ausgedehnte Einkaufsmöglichkeiten oder Hotels wie das Ushuaïa sucht, findet auf Ibiza die größere Auswahl.
Gerade dieser Unterschied machte Formentera für uns reizvoll. Nach dem lebhaften Eivissa wirkte die Insel reduziert: Strand, Wasser und deutlich weniger Gründe, den Tag durchzuplanen. Vom Boot aus musste Formentera nicht mit Ibiza konkurrieren. Es ergänzte die Reise um eine ruhigere, offenere Seite.
Ibiza wurde durch die Menschen besonders


Wir waren mit Chris’ Bruder und seiner Familie unterwegs. Dadurch war diese Zeit nicht nur eine Segelreise, sondern auch gemeinsamer Alltag auf engem Raum: zusammen losfahren, ankern, essen, an Land gehen und sich darüber einigen, ob die nächste Bucht wirklich schon am selben Tag sein musste.
Auf einem Hippiemarkt trafen wir mehrere deutsche Verkäufer, die seit der Hippiezeit auf Ibiza lebten. Ihre Geschichten passten zu einer Insel, auf der sehr unterschiedliche Lebensentwürfe nebeneinander existieren.
Chris kam über das Essen besonders schnell mit Menschen ins Gespräch. In kleinen Restaurants, vor allem außerhalb der großen Orte, tauschte er sich mit Köchen aus und durfte auch hinter die Kulissen in einige Küchen schauen. Einer der Bootseigner engagierte ihn schließlich zum Kochen auf einer Finca außerhalb. Zusätzlich hatten wir einen Vorstellungstermin für Saisonarbeit im Six Senses Hotel.
Solche Begegnungen lassen sich nicht als Programmpunkt buchen. Sie entstehen, wenn man lange genug bleibt, Fragen stellt und nicht nur die nächste Sehenswürdigkeit sucht.
MENSCHEN HINTER DER GESCHICHTE
Chris stand rund vier Jahrzehnte am Herd und ist trotzdem neugierig geblieben. Seine Geschichte erklärt, warum aus einem Restaurantbesuch bei uns schnell ein Gespräch mit der Küche wird.

Was von zwei Monaten Ibiza bleibt
Ibiza war nicht immer ruhig, nicht günstig und nicht in jeder Bucht bequem. Aber die Insel gab uns Handlungsspielraum. Wenn eine Seite unruhig wurde, konnten wir wechseln. Wenn uns ein Ort gefiel, konnten wir zurückkommen. Wenn das Leben an Land zu viel wurde, lag die nächste stille Bucht nicht weit entfernt.
Portinatx blieb unsere Lieblingsbucht. Formentera brachte die langen Strände. Eivissa lieferte Geschichte, kleine Restaurants, eine ausgiebige Shoppingtour und eine Rechnung, die wir nicht vergessen haben. Dazwischen lagen viele Tage, an denen Folie A2 nicht Transportmittel, sondern unser Zuhause war.
Die Reise gehört heute zur Geschichte von Folie A2. Das Leben an Bord geht unter dem Namen Aurelia Blue weiter – weiterhin in kleinen Gruppen, mit Zeit für Buchten, Menschen und alles, was unterwegs nicht planbar ist.
DIE REISE GEHT WEITER